Gas von Kubikmetern in kWh umrechnen
Kurz gesagt: Kilowattstunden = Kubikmeter × Zustandszahl × Brennwert. Beide Werte stehen auf Deiner Gasrechnung. Bei 1.500 m³, einer Zustandszahl von 0,9426 und einem Brennwert von 11,2 kWh/m³ sind das rund 15.836 kWh.
Warum der Zähler Kubikmeter zeigt und die Rechnung Kilowattstunden
Dein Gaszähler misst, wie viel Gas durch ihn hindurchströmt, und zwar als Volumen in Kubikmetern. Bezahlt wird aber die Energie, die in diesem Gas steckt. Deshalb rechnet der Netzbetreiber jeden Kubikmeter in Kilowattstunden um, bevor Dein Versorger die Rechnung erstellt. Gastarife nennen ihren Arbeitspreis entsprechend in Cent pro Kilowattstunde.
Die Umrechnung ist nötig, weil ein Kubikmeter Gas nicht immer gleich viel Energie enthält. Zwei Dinge beeinflussen das: wie stark das Gas im Zähler zusammengedrückt ist und wie energiereich das Gas selbst ist. Für beides gibt es einen eigenen Wert. In Deutschland läuft diese Abrechnung nach dem Arbeitsblatt G 685 „Gasabrechnung“ des DVGW, also nach einer einheitlichen technischen Regel.
Die Formel
Kilowattstunden = Kubikmeter × Zustandszahl × Brennwert
| Wert | Was er bedeutet | Wo Du ihn findest |
|---|---|---|
| Kubikmeter (m³) | Verbrauchtes Gasvolumen, so wie der Zähler es misst | Differenz zweier Zählerstände oder Jahresabrechnung |
| Zustandszahl (z-Zahl) | Rechnet das gemessene Volumen auf einen einheitlichen Normzustand um | Jahresabrechnung, meist neben dem Verbrauch |
| Brennwert (kWh/m³) | Energie in einem Kubikmeter Gas im Normzustand | Jahresabrechnung, oft als Abrechnungsbrennwert bezeichnet |
Fehlt Dir die Rechnung, kannst Du beide Werte bei Deinem Versorger oder beim örtlichen Netzbetreiber erfragen. Der Name des Netzbetreibers steht ebenfalls auf der Gasrechnung.
Rechenbeispiel Schritt für Schritt
Angenommen, Dein Zähler stand vor einem Jahr bei 12.340 m³ und heute bei 13.840 m³. Auf der Rechnung stehen eine Zustandszahl von 0,9426 und ein Brennwert von 11,2 kWh/m³.
| Schritt | Ergebnis |
|---|---|
| Verbrauch: 13.840 m³ minus 12.340 m³ | 1.500 m³ |
| Auf den Normzustand umrechnen: 1.500 m³ × 0,9426 | 1.413,9 m³ |
| Energie: 1.413,9 m³ × 11,2 kWh/m³ | 15.835,68 kWh |
| Verbrauch für die Abrechnung | rund 15.836 kWh |
Die Zahlen sind ein Beispiel. Rechne für Deinen Haushalt immer mit der Zustandszahl und dem Brennwert von Deiner eigenen Abrechnung.
Was die Zustandszahl bedeutet
Gas lässt sich zusammendrücken. Wie viel Gas in einem Kubikmeter steckt, hängt deshalb vom Druck und von der Temperatur ab. Damit überall gleich abgerechnet wird, rechnet der Netzbetreiber das gemessene Volumen auf einen festgelegten Normzustand um: 0 Grad Celsius und 1.013,25 Millibar. Die Zustandszahl ist das Verhältnis zwischen dem Zustand im Zähler und diesem Normzustand.
Für einen Haushaltszähler setzt der Netzbetreiber dafür feste Werte an. Ein Merkblatt der Stadtwerke Mühlacker zur Abrechnung nach G 685 nennt als Beispiel:
- eine Abrechnungstemperatur von 15 Grad Celsius,
- einen Gasdruck im Zähler (Effektivdruck) von 22 Millibar,
- einen Luftdruck, der von der Höhe des Hauses abhängt: 1.016 Millibar minus 0,12 Millibar je Meter Höhe.
Daraus ergibt sich die Zustandszahl: 273,15 ÷ 288,15 × (Luftdruck + 22) ÷ 1.013,25. Für 253 Meter Höhe nennt das Merkblatt eine Zustandszahl von 0,9426. Mit derselben Formel und denselben Annahmen haben wir zwei weitere Höhen nachgerechnet:
| Höhe des Hauses | Luftdruck | Zustandszahl | 1.500 m³ × 11,2 kWh/m³ ergeben |
|---|---|---|---|
| 0 m | 1.016 mbar | 0,9711 | rund 16.314 kWh |
| 253 m (Beispiel aus dem Merkblatt) | 985,64 mbar | 0,9426 | rund 15.836 kWh |
| 500 m | 956 mbar | 0,9150 | rund 15.372 kWh |
Wer höher wohnt, bekommt für dieselben Kubikmeter also weniger Kilowattstunden berechnet. Das ist kein Nachteil: In der Höhe ist der Luftdruck niedriger, das Gas dehnt sich stärker aus, und in jedem gemessenen Kubikmeter steckt weniger Gas. Die Tabelle beruht auf den Annahmen aus dem Merkblatt. Dein Netzbetreiber teilt sein Netz in Höhenzonen ein und kann mit anderen Werten rechnen. Maßgeblich bleibt die Zahl auf Deiner Rechnung.
Was der Brennwert bedeutet
Der Brennwert gibt an, wie viel Energie in einem Kubikmeter Gas im Normzustand steckt. Erdgas ist ein Naturprodukt, und seine Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft. Die vorgelagerten Netzbetreiber messen den Brennwert deshalb täglich. Daraus bilden sie Monatswerte und für Deinen Abrechnungszeitraum einen nach Liefermengen gewichteten Abrechnungsbrennwert. Das erklärt, warum der Brennwert auf Deiner Rechnung von Jahr zu Jahr leicht anders sein kann.
Je nach Gasqualität liegt der Brennwert ungefähr zwischen 8,0 und 12,5 kWh pro Kubikmeter. Abgerechnet wird mit dem Brennwert. Er ist höher als der Heizwert, der manchmal in Unterlagen zu Heizgeräten auftaucht. Verwechsle die beiden nicht, wenn Du selbst nachrechnest.
L-Gas und H-Gas
In Deutschland gibt es zwei Gasqualitäten. L-Gas hat einen geringeren Brennwert, H-Gas enthält mehr Methan und setzt beim Verbrennen mehr Energie frei. In Teilen von Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen stellen die Netzbetreiber nach und nach von L-Gas auf H-Gas um. Nach der Umstellung steigt der Brennwert auf Deiner Rechnung, und Du brauchst für dieselbe Wärme weniger Kubikmeter. Da in Kilowattstunden abgerechnet wird, soll sich die Rechnungssumme durch die Umstellung allein nicht ändern. Vergleichst Du Kubikmeter über mehrere Jahre, solltest Du die Umstellung aber kennen, sonst wirkt der Verbrauch plötzlich niedriger.
Die Faustregel, wenn keine Rechnung da ist
Hast Du keine Werte zur Hand, kannst Du die Kubikmeter grob mit 10 multiplizieren. Aus 1.500 m³ werden so ungefähr 15.000 kWh. Im Beispiel oben ergibt die genaue Rechnung 15.836 kWh, die Faustregel liegt also gut fünf Prozent darunter. Für einen ersten Überblick reicht das. Für einen Tarifvergleich oder die Prüfung Deiner Rechnung nimmst Du die echten Werte.
Umgekehrt geht es genauso: Kilowattstunden geteilt durch Zustandszahl und Brennwert ergeben die Kubikmeter. 15.836 kWh ÷ 0,9426 ÷ 11,2 ergeben wieder rund 1.500 m³.
Zählerstand richtig ablesen
Notiere den Zählerstand mit Datum, zum Beispiel jedes Jahr am selben Tag oder zum Wechsel des Anbieters. Die Ziffern vor dem Komma zeigen ganze Kubikmeter. Die Ziffern dahinter, meist rot hinterlegt, sind Bruchteile eines Kubikmeters und spielen für eine Jahresrechnung kaum eine Rolle. Achte darauf, den Gaszähler abzulesen und nicht den Wasserzähler, der ebenfalls Kubikmeter anzeigt.
Wofür Du die Kilowattstunden brauchst
- Tarife vergleichen: Vergleichsrechner und Angebote fragen nach dem Jahresverbrauch in kWh. Mit Kubikmetern würdest Du den Verbrauch um etwa den Faktor 10 zu niedrig angeben.
- Kosten nachrechnen: Mit dem Verbrauch in kWh, dem Arbeitspreis und dem Grundpreis berechnest Du Deine Jahreskosten. Wie das geht, steht im Artikel Gaskosten berechnen.
- Jahre vergleichen: Vergleiche Deinen Verbrauch über mehrere Jahre in kWh, nicht in Kubikmetern. Dann fallen Änderungen beim Brennwert nicht ins Gewicht.
Häufige Fragen
Wie viele kWh hat ein Kubikmeter Gas?
Das ergibt sich aus Zustandszahl mal Brennwert. Mit Brennwerten zwischen 8,0 und 12,5 kWh/m³ und einer Zustandszahl um 0,95 liegt ein Kubikmeter grob zwischen 7,6 und 11,9 kWh. Den genauen Wert für Deinen Anschluss liefert Deine Rechnung.
Warum weicht meine eigene Umrechnung leicht von der Rechnung ab?
Der Versorger rechnet mit einem Brennwert, der nach Monaten und Liefermengen gewichtet ist, und manchmal mit Zwischenständen, etwa bei einer Preisänderung. Kleine Abweichungen durch Rundung sind normal. Weicht das Ergebnis deutlich ab, frag beim Versorger nach.
Kann ich die Zustandszahl selbst festlegen?
Nein. Der Netzbetreiber legt sie für Deine Höhenzone nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 685 fest. Du übernimmst sie von der Rechnung.
Rechnet ein neuer Gasanbieter anders um?
Nein. Zustandszahl und Brennwert kommen vom Netzbetreiber, nicht vom Versorger. Nach einem Wechsel bleiben sie gleich, solange sich an Netz und Gasqualität nichts ändert.
Dieser Artikel erklärt die allgemeine Rechenweise und ersetzt keine Prüfung Deiner Abrechnung im Einzelfall.
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